Das Veltlin lässt sich treffend als „Land der Kirchen“ und „Land der Burgen“ beschreiben. Die beeindruckende Vielzahl an Kirchen ist unter anderem auf die Zurückdrängung der Protestanten im Tal im 17. Jahrhundert zurückzuführen, während die Ursprünge der zahlreichen Burgen (ital. Castelli) vor allem im Mittelalter liegen. Ihre genaue Zahl zu ermitteln, ist schwierig – weniger wegen definitorischer Fragen, sondern weil viele der Burganlagen im Laufe der Jahrhunderte abgetragen wurden und heute oft nur noch in historischen Dokumenten erwähnt werden. Die Fachliteratur zählt über 70 Burgen und Wehrtürme im Veltlin und im Valchiavenna. Von den Bauwerken, die bis heute in der Landschaft erhalten geblieben sind, üben aber selbst die Ruinen eine imposante Präsenz aus. Sie erzählen von einer Epoche wechselnder Machtverhältnisse, dem Aufstieg bedeutender Familien und der Kontrolle über wichtige Pässe und Handelswege. Die Burgen wurden zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert in mehreren Wellen errichtet. Sie reichen von frühen befestigten Siedlungen über Residenzen der herrschenden Bischöfe und des aufstrebenden lokalen Adels bis hin zu Verteidigungsanlagen gegen äußere Bedrohungen im bereits ausklingenden Mittelalter.


Die Zerstörung vieler dieser Burgen wird oft mit der Festigung der Herrschaft der Drei Bünde zu Beginn des 16. Jahrhunderts oder ihrer Rückkehr ins Tal 1639 nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges in Verbindung gebracht. Diese allgemeine Erklärung greift jedoch bei genauerer Betrachtung zu kurz und wird den Zerstörungsgeschichten der einzelnen Castelli selten gerecht.

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